Sehr geehrte Damen und Herren 

2008 durchlief die Weltwirtschaft dramatische Veränderungen. Auch Ihr Unternehmen, die Swiss Life-Gruppe, konnte sich der ungeheuren Wucht dieser Krise nicht entziehen. Unser finanzielles Ergebnis und die Entwicklung unseres Aktienkurses entsprechen in keiner Weise unseren Vorstellungen. Wir haben aber rechtzeitig die richtigen Massnahmen getroffen, um unsere solide Eigenkapitalbasis zu schützen. Bei der Umsetzung unserer Strategie haben wir weitere Fortschritte erzielt. Swiss Life kann die aktuellen Herausforderungen deshalb mit Zuversicht angehen.

Die negative Entwicklung an den Finanzmärkten führte allerdings dazu, dass wir 2008 unsere finanziellen Zielsetzungen nicht erreichen konnten. Die Krise am US-amerikanischen Immobilienmarkt, von der Swiss Life direkt in keiner Weise betroffen war, zog beinahe alle Anlageklassen in Mitleidenschaft. Durch die notwendig gewordenen Wertberichtigungen auf Anlagen und das Realisieren von Verlusten zur Minderung der Risiken reduzierte sich das Finanzergebnis von CHF 4,9 Milliarden auf nur noch CHF 0,5 Milliarden. Dank den Gewinnen aus den Verkäufen des niederländischen und des belgischen Geschäfts sowie der Banca del Gottardo in Höhe von CHF 1,5 Milliarden kann die Swiss Life-Gruppe für 2008 dennoch einen Gewinn ausweisen. Der Reingewinn beläuft sich auf CHF 345 Millionen. Auf der Basis dieses Ergebnisses und unter Berücksichtigung des Marktumfelds beantragt der Verwaltungsrat der Generalversammlung eine Gewinnausschüttung von CHF 5 je Aktie, nachdem wir im vergangenen Jahr CHF 17 je Aktie ausbezahlt haben. Diese soll wie in den Vorjahren in Form einer Nennwertreduktion erfolgen.

Ein wichtiger Schritt in der Umsetzung unserer Strategie war 2008 die Übernahme der AWD Gruppe, des grössten europäischen Anbieters für unabhängige Finanzberatung. Diese markante Stärkung des Vertriebs ist für den künftigen Erfolg von Swiss Life wegweisend. Anbieter einer unabhängigen Finanzberatung werden weiter an Bedeutung gewinnen. Swiss Life kann mit AWD auch ihre Erträge diversifizieren und erhält zusätzliche Informationen über den Markt sowie Zugang zu wachstumsträchtigen Märkten in Zentral- und Osteuropa, wo Swiss Life heute noch nicht tätig ist. Die Zusammenarbeit von Swiss Life und AWD ist in Deutschland und in der Schweiz gut angelaufen. AWD selber hat in Deutschland und in der Schweiz 2008 unter den gegebenen Umständen ein gutes Ergebnis erzielt. Die Entwicklung in Zentral- und Osteuropa ist nach wie vor erfreulich. Die Fokussierung des Geschäfts in Grossbritannien ist im Gange, und die Probleme in Österreich werden mit hoher Priorität adressiert. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr bei den Umsatzerlösen und beim Gewinn der AWD Gruppe ist neben der krisenbedingten Liquiditätsorientierung der Kunden vor allem auf die Veränderungen in Grossbritannien und Österreich zurückzuführen. Bis 2012 will die AWD Gruppe die Umsatzerlöse von rund EUR 630 Millionen auf EUR 1 Milliarde steigern und einen operativen Ertrag vor Steuern von EUR 130 Millionen erzielen.

Im Zusammenhang mit der steigenden Bedeutung der unabhängigen Finanzberatung in der Altersvorsorge ist im vergangenen Jahr auch der Erwerb der Beteiligung am deutschen Finanzvertrieb MLP erfolgt. Obwohl die betriebswirtschaftlichen Vorteile einer engeren Zusammenarbeit zwischen Swiss Life, AWD und MLP gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Krise und der Konsolidierung bei den Vertriebsgesellschaften in Deutschland auf der Hand liegen, haben wir diesbezüglich unsere Ziele nicht erreicht. Mit der strategischen Partnerschaft mit Talanx, die wir im März 2009 bekannt gegeben haben, haben wir für diese Situation eine gute Lösung gefunden. Talanx und Swiss Life werden im Vertrieb bei AWD, im internationalen Geschäft für Lebensversicherungslösungen, in der Lebensrückversicherung, in Teilbereichen von Verwaltung und Abwicklung von ausgewählten Produkten sowie der wechselseitigen Verwendung von Publikumsfonds zusammenarbeiten. Um die Zusammenarbeit zu unterlegen, erwirbt Talanx einen Anteil von bis zu 9,9% an Swiss Life. Weiter übernimmt Talanx von Swiss Life einen Anteil von 8,4% an MLP. Swiss Life hat die Absicht, ihre verbleibende Beteiligung an MLP von 15,9% auf unter 10% zu reduzieren. Swiss Life und Talanx wollen in der neuen Konstellation unabhängig voneinander mit MLP jeweils einvernehmlich zusammenarbeiten. Dabei respektieren beide Unternehmen das heutige Geschäftsmodell von MLP als unabhängigem Finanz- und Vermögensberater.

Swiss Life steht in allen Märkten für Kompetenz in der Vorsorge, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Dieses Profil hat sich in der Krise bewährt. In der Schweiz hat Swiss Life ihre Stellung als Marktführerin behauptet. Neue Produkte, weitere Effizienzsteigerungen und eine noch stärker auf den Kunden ausgerichtete Organisation werden die Wettbewerbsposition im Heimmarkt weiter verbessern. In Frankreich entwickelte sich Swiss Life dank dem breit diversifizierten Vertrieb, einer attraktiven Produktpalette und der herausragenden Stellung im Krankenversicherungsgeschäft in den letzten Jahren kontinuierlich besser als der Markt. In Deutschland gehört Swiss Life seit Jahren zu den bevorzugten Anbietern im Maklervertrieb. Mit der Zusammenarbeit mit AWD und der Einführung des ersten Produkts der zukunftsträchtigen Variable-Annuity-Familie hat Swiss Life ihre Wettbewerbsposition für die Zukunft deutlich gestärkt.

Unser Konzept zur Steuerung unserer Aktiven und Verpflichtungen, das Asset and Liability Management, hat seine Funktionstüchtigkeit auch unter den schwierigen Bedingungen im vergangenen Geschäftsjahr bewiesen. Die eingegangenen Risiken entsprachen zu jeder Zeit unserem Geschäftsmodell und unserer Risikofähigkeit. Aufgrund der Verwerfungen an den Finanzmärkten in der zweiten Jahreshälfte haben wir die Risiken in der Bilanz massiv reduziert, um die Eigenkapitalbasis vor weiteren negativen Auswirkungen der Finanzmarktkrise zu schützen. Wir haben aufgrund des anhaltend volatilen Marktumfelds die Struktur unserer Anlagen angepasst und das Aktienrückkaufprogramm gestoppt. Diese Massnahmen haben sich seither bewährt. Unsere Eigenkapitalausstattung ist solide und unsere Anlagestruktur darauf ausgerichtet, auch unter anhaltend schwierigen Marktbedingungen und dem aktuell tiefen Zinsniveau einen Kapitalertrag zu erzielen, der über den unseren Kunden garantierten Leistungen liegt.

Neben der strategischen Steuerung des Unternehmens und dem aktiven Handeln zur Bewältigung der Finanzmarktkrise gehörte die optimale personelle Besetzung von Verwaltungsrat und Konzernleitung 2008 zu den wichtigsten Aufgaben des Verwaltungsrats. Ivo Furrer, CEO Schweiz, Charles Relecom, CEO Frankreich, und Klaus Leyh, CEO Deutschland, sind im Laufe des Jahres neu in die Konzernleitung aufgenommen worden. Manfred Behrens, seit 2004 CEO Deutschland und seit Mai 2008 auch Mitglied der Konzernleitung, übernahm am 1. September 2008 die Funktion eines Co-CEO bei AWD. Er bleibt auch in dieser Funktion Mitglied der Konzernleitung. Paul Müller, CEO Schweiz, zog sich nach über dreissig Jahren erfolgreicher Karriere, davon die letzten sechs Jahre bei Swiss Life, aus dem operativen Geschäft zurück. Jacques Richier, CEO Frankreich und seit 2000 bei Swiss Life, entschied sich dafür, eine neue Herausforderung ausserhalb der Swiss Life-Gruppe anzunehmen. Der Verwaltungsrat dankt Paul Müller und Jacques Richier sehr für ihren grossen Beitrag zur erfolgreichen Weiterentwicklung des Unternehmens.

Über den vorgesehenen Wechsel im Präsidium des Verwaltungsrats haben wir Sie bereits frühzeitig informieren können. Bruno Gehrig wird an der Generalversammlung im Mai 2009 nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Rolf Dörig, der an der Generalversammlung im Mai 2008 in den Verwaltungsrat gewählt wurde, wird das Amt des Präsidenten übernehmen. Zudem wird Pierfranco Riva nach sechsjähriger Zugehörigkeit zum Verwaltungsrat aufgrund des Erreichens der Alterslimite nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Wir danken Pierfranco Riva ganz herzlich für seinen wertvollen Beitrag zur Arbeit des Verwaltungsrats in den vergangenen Jahren. Wir freuen uns sehr, dass wir Frank Schnewlin, ehemaliger CEO der Bâloise-Gruppe und davor Mitglied der Konzernleitung der Zurich Financial Services Group, und Carsten Maschmeyer, AWD-Gründer, neu für den Verwaltungsrat gewinnen konnten. Frank Schnewlin wird als ausgewiesener Kenner der internationalen Versicherungsbranche den Verwaltungsrat bereichern. Carsten Maschmeyer ist mit seinen fundierten Marktkenntnissen und seinem ausgezeichneten Vertriebs-Know-how im Gremium sehr willkommen.

Sehr geehrte Damen und Herren, wir stehen vor grossen Herausforderungen. Die Weltwirtschaft steckt in einer Rezession, und die Finanzmärkte sind sehr volatil. Eine rasche Besserung ist nicht in Sicht. Wir sind überzeugt, dass wir bei Swiss Life die Voraussetzungen geschaffen haben, diese schwierige Periode erfolgreich zu meistern. Erstens: Wir sind in einem langfristig wachsenden Geschäft. Der Bedarf an privat finanzierten Lösungen für die Vorsorge wird durch die demografische Entwicklung und den zunehmenden Druck auf die Staatshaushalte weiter steigen. Zweitens: Durch die Krise ist bei den Kunden die Bedeutung einer professionellen Beratung und von Produkten, die Sicherheit und Schutz bieten, deutlich gestiegen. Das verbessert die Wettbewerbsposition von spezialisierten Vorsorgeanbietern wie Swiss Life. Drittens: Swiss Life hat durch die Stärkung des Vertriebs und der Innovationskraft, Massnahmen zur Steigerung der Effizienz, ein aktives Kapital- und Risikomanagement, eine solide Kapitalbasis und die klare Positionierung als führende Spezialistin in der finanziellen Vorsorge die Voraussetzungen geschaffen, um auch im aktuell schwierigen Marktumfeld zu wachsen und die Profitabilität zu steigern.

Der Erfolg in unserem Geschäft beruht auf Langfristigkeit und Vertrauen. Wir danken allen, die sich jeden Tag mit grossem Elan für diesen Erfolg engagieren, und allen, die uns heute und in Zukunft ihr Vertrauen schenken.

Bruno Gehrig Rolf Dörig  
Präsident des Verwaltungsrats Delegierter des Verwaltungsrats  

Bruno Gehrig
Bruno Gehrig
Wir haben rechtzeitig die richtigen Massnahmen getroffen, um unsere nach wie vor solide Eigenkapitalbasis zu schützen.

 
 
 
 
Rolf Dörig
Rolf Dörig
Die Zusammenarbeit von Swiss Life und AWD ist gut angelaufen und verläuft nach Plan.